Kaum war der geplante Neubau der Brücke an der Wurzner Straße bekannt, tauchte in den Kommentaren eine Frage immer wieder auf: Warum soll der Ersatz einer vergleichsweise kleinen Brücke rund 14 Monate dauern? Einige Leser verwiesen auf andere Länder, in denen solche Bauwerke vermeintlich deutlich schneller entstehen. Das Landratsamt Nordsachsen hat auf Nachfrage von Taucha kompakt nun detailliert aufgeschlüsselt, welche Arbeiten tatsächlich hinter dem Zeitplan stecken.
Dabei kam raus: Es sind viele kleinteilige Arbeiten zu erledigen, die allesamt offenbar nur unter Vollsperrung nötig sind. Der eigentliche Neubau der Brücke ist dabei nur ein Teil des Projekts. Bevor überhaupt mit dem Abbruch begonnen werden kann, müssen Leitungen verlegt, die Parthe während der Bauzeit umgeleitet und umfangreiche Arbeiten im und am Gewässer vorbereitet werden.
„Am vorhandenen Brückenbauwerk befinden sich Ver- und Entsorgungsleitungen, die vor Abbruch des Brückenbauwerks umverlegt werden müssen“, erklärt Dr. Eckhard Rexroth, Nordsachsens Dezernent für Bau und Umwelt. Hinzu komme die Herstellung einer bauzeitlichen Gewässerumleitung für die Parthe.
Allein für diese vorbereitenden Arbeiten sind nach Angaben des Landratsamtes rund zwei Monate eingeplant. Anschließend soll die vorhandene Brücke abgebrochen werden. Dazu gehören jedoch nicht nur der eigentliche Abriss, sondern auch die Herstellung eines Baugrubenverbaus sowie Erdarbeiten und die sogenannte Wasserhaltung. Damit wird verhindert, dass Wasser in die Baugrube eindringt beziehungsweise dort kontrolliert abgeführt.
Für diesen Abschnitt sind etwa drei Monate vorgesehen.
Danach beginnt der eigentliche Neubau. Dafür kalkuliert der Landkreis mit ungefähr fünf Monaten.
Die neue Brücke wird als Einfeldbrücke aus Stahlbeton in Ortbetonbauweise hergestellt. Das bedeutet, dass wesentliche Teile der Konstruktion direkt auf der Baustelle betoniert werden.
Besonders aufwendig ist die Gründung. Die Brücke wird auf insgesamt 16 Bohrpfählen stehen – jeweils acht auf jeder Seite. Jeder dieser Pfähle ist zwölf Meter lang und hat einen Durchmesser von 88 Zentimetern.
Auf dieser Tiefgründung entstehen anschließend die Widerlager und Flügelwände. Danach folgen Hinterfüllung und Überbau sowie die weiteren Bestandteile des Bauwerks.
Zu den wesentlichen Arbeiten zählen nach Angaben des Landratsamtes:
Ist die eigentliche Brückenkonstruktion fertig, endet die Baustelle noch immer nicht. Rund zwei weitere Monate sind für Arbeiten an der Parthe vorgesehen.
Dabei werden das Gewässerbett und die Uferböschungen hergestellt. Zudem entstehen Böschungstreppen, die später für Unterhaltungs- und Revisionsarbeiten genutzt werden können. Erst danach kann auch die provisorische Gewässerumleitung wieder zurückgebaut werden.
Parallel zum Brückenbau wird außerdem die Kreisstraße K 7422 im Bereich des Bauwerks erneuert. Dazu gehören auch die Geh- und Radwege. Soweit es der Bauablauf zulässt, sollen diese Arbeiten gleichzeitig mit dem Brückenbau stattfinden. Der Landkreis rechnet hier mit einer zeitlichen Überschneidung von etwa zwei Monaten.
Aus all diesen Arbeitsschritten ergibt sich nach Angaben von Eckhard Rexroth die geplante Gesamtbauzeit von rund 14 Monaten.
Das neue Bauwerk wird 9,50 Meter lang und zwischen den Geländern 13,35 Meter breit. Insgesamt entsteht eine Brückenfläche von 127 Quadratmetern. Die Fahrbahn selbst wird 7,10 Meter breit. Hinzu kommen auf beiden Seiten breite Bereiche für Fußgänger und Radfahrer. Diese messen drei beziehungsweise 3,25 Meter.
Damit wird die neue Brücke deutlich stärker auf den Fuß- und Radverkehr ausgerichtet als das bisherige Bauwerk. Die Stadt Taucha beteiligt sich deshalb mit rund 280.000 Euro an Planung und Bau, um die entsprechenden Geh- und Radwegeanteile zu ermöglichen.
Als Absturzsicherung werden Füllstabgeländer mit einer Höhe von 1,30 Metern montiert.
Der Neubau soll Ende September 2026 beginnen. Die Fertigstellung ist nach derzeitiger Planung für November 2027 vorgesehen.
Bereits seit dem heutigen Montag laufen vorbereitende Arbeiten am Plösitzer Weg. Dieser wird während der Brückenbaustelle als Umleitungsstrecke für Fußgänger und Radfahrer benötigt und deshalb zuvor saniert.