Tauchas Haushalt dreht überraschend ins Plus – strukturelles Defizit bleibt | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 08.09.2026 15:17

Tauchas Haushalt dreht überraschend ins Plus – strukturelles Defizit bleibt

Tauchas Finanzhaushalt bleibt angespannt, trotz leichter Erholung. (Symbolbild: Daniel Große / Pixabay)
Tauchas Finanzhaushalt bleibt angespannt, trotz leichter Erholung. (Symbolbild: Daniel Große / Pixabay)
Tauchas Finanzhaushalt bleibt angespannt, trotz leichter Erholung. (Symbolbild: Daniel Große / Pixabay)

Die finanzielle Entwicklung der Stadt Taucha fällt im laufenden Jahr deutlich besser aus als bei der Aufstellung des Haushalts erwartet.
Statt eines Defizits von rund 4,6 Millionen Euro könnte die Stadt das Jahr 2026 nach aktueller Prognose mit einem Plus von etwa 473.000 Euro abschließen. Trotz dieser Verbesserung bleibt die Haushaltslage nach Einschätzung der Verwaltung angespannt. Für den kommenden Doppelhaushalt 2027/2028 zeichnet sich weiterhin ein strukturelles Defizit ab.

Über die wesentlichen Abweichungen vom Haushaltsplan berichtete Kämmerer Marcus Rietig zur August-Sitzung im Tauchaer Stadtrat. Grundlage ist der Stand zum 30. Juni 2026. Zu einer solchen Berichterstattung ist der Bürgermeister nach der Sächsischen Gemeindeordnung verpflichtet. Der Bericht soll zugleich eine Grundlage für die derzeit anlaufende Planung des nächsten Doppelhaushalts bilden.

Mehr als fünf Millionen Euro besser als geplant

Der Doppelhaushalt 2025/2026 war im März 2025 beschlossen und im Januar dieses Jahres fortgeschrieben worden. Für 2026 sieht der Ergebnishaushalt Erträge von rund 34,2 Millionen Euro und Aufwendungen von etwa 38,8 Millionen Euro vor. Rechnerisch ergibt sich daraus im operativen Geschäft zunächst ein Minus von rund 4,6 Millionen Euro.

Nach Auswertung der Zahlen zum Halbjahr und einer Hochrechnung bis Ende Dezember erwartet die Stadt inzwischen jedoch ein Jahresergebnis von rund 473.000 Euro im Plus. Gegenüber der ursprünglichen Planung entspricht das rechnerisch einer Verbesserung um gut fünf Millionen Euro.

Verantwortlich dafür sind nach Angaben der Kämmerei vor allem mehrere Sondereffekte. Dazu zählen Gewerbesteuernachzahlungen aus Vorjahren, höhere Schlüsselzuweisungen des Freistaates, eine Gewinnausschüttung der Kommunalen Wasserwerke Leipzig sowie höhere Zinserträge aus Geldanlagen.

Auch auf der Ausgabenseite Entlastungen

Nicht nur die Einnahmen entwickeln sich günstiger. Auch bei mehreren Aufwandspositionen erwartet die Stadt Entlastungen. Bei den Personalkosten gibt es nach Angaben der Kämmerei noch Schwankungen, unter anderem aufgrund von Langzeitausfällen. Hinzu kommen geringere Zinsaufwendungen. Bei den Kostenerstattungen an freie Träger beziehungsweise Kindertagesstätten besteht nach derzeitiger Berechnung ein Guthaben von rund 600.000 Euro. Die Kreisumlage fällt voraussichtlich um etwa 150.000 Euro geringer aus als geplant.

Die Ausgaben für Instandhaltung und Bewirtschaftung bewegen sich grundsätzlich im Rahmen des Haushaltsplans. Allerdings geht die Verwaltung derzeit davon aus, dass die dafür vorgesehenen Budgets nicht vollständig ausgeschöpft werden.

Sollten sich diese Prognosen bis zum Jahresende bestätigen, wäre der Ergebnishaushalt 2026 nach Einschätzung der Verwaltung ausgeglichen.

Keine neuen Kredite notwendig

Die verbesserte Lage wirkt sich auch auf die Liquidität der Stadt aus. Höhere Gewerbesteuereinnahmen, zusätzliche Schlüsselzuweisungen, die Gewinnausschüttung der KWL und geringere Ausgaben in den laufenden Budgets entlasten nach Angaben der Stadt den Finanzhaushalt. Besonders deutlich wird das bei den vorgesehenen Krediten. Aus dem Jahr 2025 war eine Kreditermächtigung in Höhe von 3,65 Millionen Euro nach 2026 übertragen worden. Diese Kreditaufnahme wird nach aktueller Einschätzung nicht benötigt. Stattdessen soll sich die Stadt im laufenden Jahr um rund 1,2 Millionen Euro entschulden.

Auch bei Investitionen gibt es Veränderungen. Der inzwischen fertiggestellte Ersatzneubau des Bauhofgebäudes fiel nach Angaben der Stadt rund 350.000 Euro günstiger aus als kalkuliert. Ein finanzielles Risiko sieht die Verwaltung dagegen derzeit beim Haus 9 des Rittergutsschlosses - hier hatte es zuletzt Verzögerungen im Bauablauf gegeben.

Die Städtebaufördermaßnahme für das neue Vereinsgebäude auf dem Kriekauer Sportplatz (Sport- und Freizeitzentrum) liege dagegen im vorgesehenen Kosten- und Planrahmen. Am 1. Oktober soll hier mit geladenen Gästen Eröffnung gefeiert werden.

1,5 Millionen Euro an städtische Gesellschaft ausgezahlt

Im Zusammenhang mit der Städtebauförderung hatte der Stadtrat außerdem ein Gesellschafterdarlehen von maximal 1,5 Millionen Euro an die GBV beschlossen. Im Juli wurde die zweite Tranche über 750.000 Euro ausgezahlt, womit das Darlehen vollständig ausgeschöpft ist. Die Stadt rechnet damit, dass die 1,5 Millionen Euro noch in diesem Jahr zurückgezahlt werden.

Trotz guter Zahlen keine dauerhafte Entwarnung

Die deutlich bessere Prognose für 2026 darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stadt vor größeren finanziellen Herausforderungen steht. Das Fazit des Kämmerers lautet ausdrücklich, dass die Haushaltslage trotz der Verbesserungen weiterhin angespannt sei.

Die Planungen für den Doppelhaushalt 2027/2028 haben bereits begonnen. Innerhalb der Verwaltung wurde dazu ein erstes „Planspiel“ durchgeführt und den Fachbereichen zur weiteren Arbeit übergeben. Nach Einschätzung der Kämmerei dürfte insbesondere die Genehmigung des kommenden Haushalts schwierig werden.

Grund ist ein „strukturelles Defizit“ im Ergebnishaushalt. Anders als die derzeitigen Verbesserungen durch Nachzahlungen, höhere Zuweisungen oder Ausschüttungen handelt es sich dabei um ein grundsätzliches Missverhältnis zwischen den regelmäßig zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben. Über mögliche Optimierungen müsse deshalb in den politischen Gremien weiter beraten werden.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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