„Taucha bricht auf“ bringt die Bildungsdebatte in den Kreiselternrat | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 23.04.2026 15:48

„Taucha bricht auf“ bringt die Bildungsdebatte in den Kreiselternrat

Die Vollversammlung des Kreiselternrats Nordsachsen fand am Montag in der Mensa der Oberschule Taucha statt (Foto: Taucha bricht auf)
Die Vollversammlung des Kreiselternrats Nordsachsen fand am Montag in der Mensa der Oberschule Taucha statt (Foto: Taucha bricht auf)
Die Vollversammlung des Kreiselternrats Nordsachsen fand am Montag in der Mensa der Oberschule Taucha statt (Foto: Taucha bricht auf)

Was mit einer großen Veranstaltung in der Grundschule Am Park begann, erreicht inzwischen immer breitere Kreise in der Region. Am vergangenen Montag stand das Thema „Schulen im Wandel“ bei der Vollversammlung des Kreiselternrats Nordsachsen in der Mensa der Oberschule Taucha auf der Tagesordnung. Mit dabei war auch die Elterninitiative „Taucha bricht auf“, die dort ihre Ideen und Erfahrungen vorstellte. Rund 50 Eltern aus Schulen in ganz Nordsachsen waren nach Taucha gekommen, etwa aus Bad Düben, Delitzsch, Torgau, Beilrode und weiteren Orten.

Schon dieser Rahmen machte deutlich, dass die Debatte längst über Taucha hinausreicht. Der Vorstand des Kreiselternrats hatte das Thema nach eigenen Angaben ganz bewusst gesetzt. Hintergrund seien Lehrermangel und Unterrichtsausfall, aber auch die Frage, wie Schule wieder mehr echte Lernzeit, mehr Selbstständigkeit und mehr Verantwortung für Schüler ermöglichen kann. Viele Elternvertreter wüssten bislang gar nicht, welche Formate es dafür schon gibt, hieß es in einer Information des Gremiums. Als Beispiel wurde ausdrücklich der FREI DAY genannt, der vor allem in Taucha an der Grundschule Am Park gelebt wird.

Genau an dieser Stelle setzte „Taucha bricht auf“ an. Die Initiative um Janine Friebel und Susanne Troeger machte in Taucha deutlich, dass Veränderung nicht nur aus einer Schule selbst heraus entstehen muss. Auch Eltern könnten Prozesse anstoßen, Themen setzen und Schulen miteinander vernetzen. „Es ging uns darum, zu zeigen, dass deutlich mehr geht als bislang“, lautet das Fazit der Initiative. Der Blick solle nicht an einzelnen Projekten hängen bleiben.

Vertreter von „Taucha bricht auf” sowie Daniela Dörge (r), Schulleiterin der Grundschule Am Park Taucha stellten den FREI DAY vor, ein Lernformat, das jeden Freitag den bekannten Schulalltag durchbricht. (Foto: Taucha bricht auf)
Vertreter von „Taucha bricht auf” sowie Daniela Dörge (r), Schulleiterin der Grundschule Am Park Taucha stellten den FREI DAY vor, ein Lernformat, das jeden Freitag den bekannten Schulalltag durchbricht. (Foto: Taucha bricht auf)
Vertreter von „Taucha bricht auf” sowie Daniela Dörge (r), Schulleiterin der Grundschule Am Park Taucha stellten den FREI DAY vor, ein Lernformat, das jeden Freitag den bekannten Schulalltag durchbricht. (Foto: Taucha bricht auf)

Damit knüpfte der Abend direkt an die bisherige Berichterstattung zu „Taucha bricht auf“ an. Bereits beim Auftakt in der Grundschule Am Park war deutlich geworden, wie groß das Interesse an neuen Lernformaten ist. Nun zeigte sich, dass diese Diskussion auch in den Elternvertretungen des Landkreises angekommen ist. Der Unterschied: Diesmal ging es nicht nur um Aufbruchsstimmung, sondern auch ganz konkret um die Frage, wie erste Schritte im Schulalltag aussehen können.

Dazu hatte der Kreiselternrat Praktiker und Experten eingeladen. Auf der Tagesordnung standen neben Begrüßung und Einführung Einblicke der Oberschule Pegau in die Anfänge neuer Lernwege, ein Beitrag von Margret Rasfeld zu modernen Lernformen sowie die Perspektive der Elterninitiative „Taucha bricht auf“ unter der Überschrift: „Eltern können Schule mitgestalten“. Auch die Grundschule Am Park war mit ihrem FREI-DAY-Ansatz eingebunden.

Gerade die Oberschule Pegau spielte dabei eine wichtige Rolle. Nach Angaben von „Taucha bricht auf“ war bewusst nach einer weiterführenden Schule gesucht worden, die zeigen kann, dass neue Lernformate nicht nur an Grundschulen oder in besonderen Modellkontexten funktionieren. Pegau habe genau diesen Beleg geliefert. Die Botschaft des Abends lautete deshalb nicht, alles sofort umzukrempeln. Vielmehr sei vieles bereits da. Man müsse anfangen, ausprobieren und sich herantasten, notfalls zunächst mit einer einzigen Klasse.

Auch Margret Rasfeld setzte diesen Gedanken offenbar bewusst in einen größeren Zusammenhang. Moderne Lernwege seien nicht nur eine Chance für Kinder, sondern auch für Lehrkräfte. Das passte zu einem Zitat, das bei der Veranstaltung an die Wand projiziert wurde und die Grundidee des Abends gut beschrieb: „Ich unterrichte meine Schüler nie, ich versuche nur, die Bedingungen zu schaffen, unter denen sie lernen können.“ Zugeschrieben wird dieser Satz Albert Einstein. Er stand sinnbildlich für einen Perspektivwechsel, der sich durch den Abend zog.

Wie nah das Thema inzwischen an der Praxis ist, zeigte auch das Material auf den Tischen. Dort lagen Informationen zum FREI DAY aus, daneben eine Übersicht zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung. Dahinter steht der Gedanke der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Kinder sollen nicht nur Wissen aufnehmen, sondern sich mit Zukunftsfragen beschäftigen, eigene Themen wählen und Lösungen entwickeln. Genau darin sehen viele Beteiligte einen Ausweg aus einem Schulalltag, der vielerorts noch stark vom klassischen Unterrichtstakt geprägt ist.

Für „Taucha bricht auf“ war der Abend deshalb mehr als nur ein weiterer Termin. Die Initiative sieht darin auch die Chance, das Verhältnis zwischen Eltern und Schule neu zu bestimmen. „So etwas schafft auch, dass die Verbindung Eltern-Schule durchaus positiv laufen kann und nicht nur von Spannungen geprägt ist“, heißt es aus dem Kreis der Beteiligten. Auch das ist ein wichtiger Punkt. Eltern tauchen in Schuldebatten oft erst dann auf, wenn etwas schiefläuft. In Taucha war nun ein anderer Ton zu spüren. Nicht Konfrontation, sondern gemeinsames Nachdenken über Lösungen stand im Vordergrund.

Am Ende blieb bei vielen Teilnehmern offenbar genau dieser Eindruck hängen. Der Abend sei interessant gewesen, hieß es. Viele Eltern hätten für sich mitgenommen, dass Veränderung keine theoretische Debatte bleiben muss. Neue Lernwege seien möglich, wenn Schulen, Eltern und Unterstützer vor Ort den Mut haben, damit anzufangen. Was in Taucha begonnen hat, entwickelt sich damit weiter. Aus der lokalen Initiative wird immer stärker ein regionales Signal. Oder, wie es die Beteiligten selbst formulieren: Nicht nur Taucha kann aufbrechen. Ganz Nordsachsen kann es.


Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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