SportEUm erneut verschoben: Oberschule+ soll nun 2027 in Taucha starten | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 01.09.2026 17:57

SportEUm erneut verschoben: Oberschule+ soll nun 2027 in Taucha starten

Der Entwurf von Architekt Marco Stelzel, der im Rahmen einer Machbarkeitsstudie entstand, zeigt, wie das „SportEUm” aussehen könnte. (Foto: Marco Stelzel (s.ai architekten))
Der Entwurf von Architekt Marco Stelzel, der im Rahmen einer Machbarkeitsstudie entstand, zeigt, wie das „SportEUm” aussehen könnte. (Foto: Marco Stelzel (s.ai architekten))
Der Entwurf von Architekt Marco Stelzel, der im Rahmen einer Machbarkeitsstudie entstand, zeigt, wie das „SportEUm” aussehen könnte. (Foto: Marco Stelzel (s.ai architekten))

Zweimal verschoben, aber nicht aufgegeben: Die geplante SportEUm Oberschule+ in Taucha ist auch zum Schuljahr 2026/27 nicht am Start. Die Verantwortlichen um Rolf Ahrendt und Christoph von Radowitz nehmen nun einen neuen Anlauf für das Schuljahr 2027/28.

Warum gibt es die angekündigte Schule noch immer nicht? Darauf gibt es laut von Radowitz nicht die eine Antwort. Zunächst fehlten genügend Anmeldungen für die geplante erste Klasse. Später änderten sich mit der zusätzlichen Aufnahme einer fünften Klasse die räumlichen und finanziellen Voraussetzungen. Hinzu kamen die notwendige Herrichtung eines Interims samt Genehmigungsverfahren sowie Verzögerungen beim Erbbaurechtsvertrag für die Friedrich-Ebert-Wiesen.

Nach knapp zwei Jahren Projektarbeit ziehen die Verantwortlichen deshalb eine gemischte Bilanz. Vieles sei erreicht worden, der Schulbetrieb selbst aber bislang nicht. Die Absage für das aktuelle Schuljahr bezeichnet die SportEUm Schulen gGmbH als „sehr schmerzlich“. Dennoch habe man viel Zustimmung und Rückhalt erfahren. „Soll es das gewesen sein? Nein!“, heißt es in der aktuellen Information zum Projekt.

Der erste Start scheiterte an den Schülerzahlen

Ursprünglich sollte das SportEUm bereits zum Schuljahr 2025/26 eröffnen. Im Frühjahr 2025 stellten die Geschäftsführer Rolf Ahrendt und Christoph von Radowitz das Konzept bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung vor. Geplant war zunächst ein behutsamer Aufbau mit einer ersten Klasse. Ahrendt nannte damals eine die Untergrenze: „Mindestens 15 Schülerinnen und Schüler sind notwendig, um das Projekt umzusetzen.” Die erforderliche Zahl an Erstklässlern kam schließlich nicht zusammen.

Die 15 Schüler waren aus Finanzierungsgründen nötig. Nach Darstellung der SportEUm Schulen gGmbH können freie Schulen in Sachsen während einer dreijährigen Wartefrist zunächst nicht mit einer vollumfänglichen Finanzierung durch den Freistaat rechnen. Der Träger müsse in dieser Zeit nachweisen, dass er die Schule betreiben kann, und die Finanzierung selbst sicherstellen und vorfinanzieren. Erst danach würden nach Angaben des Trägers etwa 90 Prozent der Kosten erstattet, die verbleibende Differenz sei über Elternbeiträge zu finanzieren. Entsprechend wichtig ist für die Verantwortlichen eine ausreichende Schülerzahl.

Zusätzliche fünfte Klasse brachte neue Anforderungen

In der weiteren Planung wurde deshalb das ursprüngliche Modell verändert. Neben einer ersten sollte auch eine fünfte Klasse starten, weil viele Eltern nach einer Alternative zur Oberschule und dem Gymnasium suchten. Ohne aktive Werbung habe eine fünfte Klasse gefüllt werden können, darüber hinaus habe es weitere Interessenten gegeben. Damit schien die zunächst größte Hürde genommen.
Allerdings: Die deutlich größere Zahl an Schülern erhöhte zugleich den Bedarf an Klassenräumen und weiterer Infrastruktur. Gleichzeitig sei aufgrund der Wartefrist und der damit verbundenen Finanzierung deutlich geworden, dass der geplante Neubau an der Friedrich-Ebert-Straße in der vorgesehenen Zeit nicht zu stemmen war.

Als Übergangslösung kam deshalb die ehemalige Kita „Tausendfüßler“ an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße ins Spiel. Die Stadt Taucha beziehungsweise ihre Wohnbautochter IBV (WOTa) stellte die Immobilie als Interim zur Verfügung. Ein Mietvertrag wurde zunächst für die Dauer der Wartefrist und später für ein weiteres Jahr geschlossen.

Baurechtliche Anforderungen

Doch auch das Interim konnte nicht ohne Weiteres für den Unterricht genutzt werden. Erforderlich war eine Baugenehmigung einschließlich eines Brandschutzkonzeptes. „Nun könnte man meinen, dass Kita und Schule sehr ähnlich gelagert sind“, schreiben die Projektbeteiligten. Die Vorschriften behandelten beide Nutzungen allerdings unterschiedlich und verlangten eine grundlegende neue Prüfung und Freigabe.

Das hatte konkrete bauliche Folgen. Für die größeren Kinder waren unter anderem Anpassungen bei Toiletten und Waschbecken notwendig. An die Beleuchtung eines Klassenzimmers werden andere Anforderungen gestellt als an Kita- und Horträume. Auch der Bestandsschutz der langjährig betriebenen Kita spielte nach Darstellung des Trägers eine Rolle, weil alte Standards durch neue ersetzt werden mussten. Hinzu kam eine grundlegende Prüfung des Brandschutzes.

Die Projektbeteiligten betonen zugleich die Unterstützung der beteiligten Stellen und danken insbesondere dem Landratsamt Nordsachsen sowie dem Brandschutzprüfer. Nach fachkundiger Einschätzung sei das Genehmigungsverfahren sogar „rekordverdächtig“ schnell gelaufen. Für den vorgesehenen Schulstart ließ sich das Verfahren nach Darstellung der Verantwortlichen dennoch nicht rechtzeitig abschließen.

Erbbaurechtsvertrag noch immer nicht abgeschlossen

Parallel dazu ist die langfristige Grundlage für den Neubau auf den Friedrich-Ebert-Wiesen noch nicht abschließend geregelt. Der Standort war nach langer Suche für das SportEUm gefunden worden. Nach Angaben der Initiatoren hatte mehr als zehn Jahre lang ein geeignetes Grundstück gefehlt, das genügend Platz für eine zweizügige Schule und die benötigten Sportflächen bietet. Auf Empfehlung des sächsischen Wissenschaftsministers Sebastian Gemkow seien schließlich die Friedrich-Ebert-Wiesen in den Blick geraten. Das Gelände war von der Stadt bereits für den Festbau Parthelandschule vorgesehen.

Nach mehreren Präsentationen und Beratungen ermächtigte der Tauchaer Stadtrat die Stadtverwaltung am 16. Januar 2025 einstimmig, mit dem SportEUm Verhandlungen über einen Erbbaurechtsvertrag aufzunehmen. Nach Darstellung der Verantwortlichen war der Vertrag an sich „keine echte Hürde“, das Grundgerüst habe relativ schnell gestanden. Eine endgültige Fassung gibt es allerdings bis heute nicht. Änderungen bei den benötigten Flächen, der Wechsel eines co-finanzierenden Bauträgers, Nachfragen aus dem Stadtrat und weitere Detailfragen hätten den Abschluss verzögert.

Nun soll der Erbbaurechtsvertrag im Herbst 2026 erneut dem Stadtrat vorgelegt werden. Für die Projektbeteiligten wäre dies „ein wichtiger Schritt und ein deutliches Signal“, um die langfristige Perspektive des Projektes zu untermauern.

Konzept für die Klassen 1 bis 10 bleibt bestehen

Am pädagogischen Konzept halten Ahrendt und von Radowitz fest. Die ursprüngliche Idee des SportEUms reicht nach Angaben der Initiatoren bis zur Leipziger Olympiabewerbung im Jahr 2012 zurück. Damals entstand die Überlegung, für den sportlichen Nachwuchs bessere Voraussetzungen zu schaffen und Schule und Sport beziehungsweise Lernen und Bewegung miteinander zu verbinden.

Das Konzept verbindet dabei zwei Ansätze: das Churer Modell und die „Bewegte Schule“. Beim Churer Modell sollen Kinder nicht nur Wissen aufnehmen, sondern zunehmend die Kompetenz entwickeln, ihr Lernen selbstständig zu organisieren. Bewegung wiederum verstehen die Verantwortlichen nicht als zusätzliches Angebot, sondern als Bestandteil des Lernens. Sie verweisen dabei auf positive Auswirkungen von Bewegung auf Konzentration, Motivation und Wohlbefinden.

Bereits bei der Informationsveranstaltung im Frühjahr 2025 hatte Ahrendt das Prinzip mit dem Satz „Bewegung ist der Turbo für das Lernen“ beschrieben. Geplant ist eine Schule in freier Trägerschaft für die Klassenstufen 1 bis 10 mit Grundschule, Hort und verbundener Oberschule. Zum Konzept gehören unter anderem selbstständiges Arbeiten mit Wochenplänen, ein rhythmisierter Ganztag und eine vertiefte sportliche Ausbildung.

„Dass es weiter geht“

Trotz der inzwischen mehrfach veränderten Zeitplanung wollen die Verantwortlichen an dem Projekt festhalten. In den vergangenen knapp zwei Jahren seien ein aus ihrer Sicht stimmiges Konzept entwickelt, Partner gewonnen, ein Pädagogenteam aufgebaut und Vertrauen bei interessierten Eltern geschaffen worden.

Christoph von Radowitz will die erneute Verschiebung deshalb ausdrücklich nicht als Ende des Vorhabens verstanden wissen. Man wolle nun über den aktuellen Stand informieren, den zahlreichen Begleitern und Unterstützern danken – und deutlich machen, „dass wir einen neuen Anlauf nehmen, dass es weiter geht“.

Dieser neue Anlauf soll mit mehr zeitlichem Vorlauf erfolgen. Ziel der SportEUm Schulen gGmbH ist es nun, die Oberschule+ zum Schuljahr 2027/28 in Taucha an den Start zu bringen.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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