Den Algen auf dem Großen Schöppenteich wird seit heute mit zwei technischen Einrichtungen zuleibe gerückt. Sie bringen das Wasser in Bewegung, erzeugen eine Strömung und sollen so Sauerstoff in das Gewässer bringen.
Am Ufer des Schöppenteichs liegt ein ungewöhnliches Gerät im Gras. Zwei schwarze Schwimmkörper, ein blauer Motor, orangefarbene Kabel, blankes Metall. Auf den ersten Blick wirkt die Konstruktion wie eine Mischung aus Floß, Laborgerät und kleinem Spezialboot. Wenige Minuten später gleitet sie über das grünlich schimmernde Wasser. Zwei Männer paddeln in einem Schlauchboot aus, ziehen ein Stromkabel und das ungewöhnliche Floß hinter sich her. Was hier passiert, ist der Versuch, ein alterndes Gewässer wieder in Bewegung zu bringen.
Was da auf den Großen Schöppenteich gezogen wird, ist Technik der Leipziger Firma Oloid Engineering GmbH. Geschäftsführer Eric Schieblich beschreibt die Geräte als Rührwerke oder Belüfter, die Strömung erzeugen und Sauerstoff in das Wasser bringen sollen. Ziel ist es, die Wasserqualität zu stabilisieren, Algenwachstum zu reduzieren und den Schlammabbau am Grund des Teichs zu unterstützen.
Das Problem ist typisch für stehende Gewässer ohne Zu- und Ablauf. Sie heizen sich im Sommer stark auf, besonders in langen Trockenperioden. Nährstoffe sammeln sich über Jahre im Schlamm. Das Wasser wird grün, Algen vermehren sich, später können auch Blaualgen entstehen. Diese können Giftstoffe bilden, die für Fische gefährlich werden können und insgesamt dem Ökosystem Teich schaden. Denn sinkt der Sauerstoffgehalt weiter, droht das Gewässer zu kippen.
„Wenn wir gar nichts tun würden, würde der Schlamm weiter anaerob* (Erklärung siehe unten) werden“, erklärt Schieblich. Dann laufen Zersetzungsprozesse ohne Sauerstoff ab. Der dunkle Schlamm am Grund kann faulig riechen. Die Oloid-Technik soll Sauerstoff auch in tiefere Wasserschichten bringen und Temperaturschichtungen auflösen. Zusätzlich soll später ein spezielles Gesteinsmehl eingebracht werden. Es enthält unter anderem Silizium und soll Mikroorganismen dabei unterstützen, den Schlamm biologisch abzubauen. Nach Angaben von Schieblich kann das Material zudem Partikel binden und nach unten transportieren. An der Grenzschicht zwischen Wasser und Schlamm sollen sich dadurch sauerstoffliebende Bakterien besser entwickeln.
Vor rund zwei Wochen wurden bereits Wasserwerte und Schlammstärken erfasst. Gemessen wurden unter anderem Sauerstoff, pH-Wert, Temperatur und Nährstoffparameter. Nun laufen zunächst die Maschinen. Nach etwa einer Woche sollen die Sauerstoffwerte erneut kontrolliert werden. Erst danach wird das Gesteinsmehl dosiert. Nach drei Monaten folgt eine weitere Messung, um die Entwicklung zu vergleichen.
Schieblich rechnet damit, dass sich auf diesem Weg etwa 30 bis 40 Prozent des Schlamms reduzieren lassen könnten. Was schon ein bedeutender Vorteil wäre, denn weniger Schlamm bedeutet mehr Wasservolumen. Mehr Wasservolumen macht ein Gewässer stabiler, weil sich Einträge wie Laub oder Nährstoffe nicht so schnell auf die Wasserqualität auswirken.
Eine klassische Entschlammung wäre deutlich aufwendiger, schätzt der Leipziger Fachmann: „Der Schlamm müsste ausgebaggert, untersucht, abgepresst und entsorgt werden. Wegen möglicher Belastungen, etwa durch Schwermetalle wie Cadmium, darf solches Material heute nicht einfach auf Felder gebracht werden“, sagt er und meint, dass eine Entschlammung in dieser Größenordnung schnell Kosten von rund einer Million Euro erreichen könnte.
Die nun gestartete Maßnahme ist für die Stadt deutlich günstiger, denn sie wird komplett gefördert mit rund 7500 Euro. Die Stadt Taucha trägt nach Angaben der Beteiligten lediglich die Stromkosten. Der Fachbereich Bauwesen der Stadtverwaltung teilt mit, dass die Geräte mindestens bis Oktober im Schöppenteich bleiben sollen. Fischereibehörde und untere Wasserbehörde haben die Maßnahme genehmigt, der Anglerverband Taucha e.V. wurde informiert.
Dass das Projekt zustande kam, hängt eng mit dem Ancient Trance Festival zusammen. Der erste Kontakt lief über Organisatoren des Festivals. Eine zentrale Rolle spielte Ingo Hanschmann, der in den vergangenen Jahren im Organisationsteam des Ancient Trance aktiv war. Er brachte die Idee ein, den Teich mithilfe der Förderung aufzuwerten, koordinierte Abstimmungen mit Ämtern und weiteren Beteiligten und sorgte dafür, dass die Förderung nach Taucha kam. Hanschmann arbeitet ebenfalls bei der Firma Oloid.
Das Geld stammt aus dem „Flow Fund für Ostdeutschland“, den die Kinnings Foundation und die Schöpflin Stiftung 2024 gemeinsam ins Leben gerufen haben. Der Fonds soll lokale Macher stärken und Fördermittel direkt dorthin bringen, wo konkrete Projekte entstehen.
Auch technisch ist das Projekt ungewöhnlich. Der Oloid geht auf eine Entdeckung von Paul Schatz aus dem Jahr 1929 zurück. Oloid Engineering nutzt dieses Prinzip, um Wasser nicht mit einem Propeller zu bewegen, sondern mit rhythmischen Impulsen. Schieblich erklärt das mit einem einfachen Bild: Kein Fisch schwimmt mit einem Propeller. Stattdessen entstehen weiche, impulsartige Bewegungen. Genau dieses Prinzip soll die Maschine nachahmen.
Auf dem Infoblatt von Oloid Engineering wird beschrieben, dass der Oloid Schichtungen im Wasser auflösen, Sauerstoff eintragen und natürliche Stoffwechselprozesse anregen soll. Als Einsatzfelder werden unter anderem die Sanierung eutrophierter Teiche und Seen, die Optimierung von Teichkläranlagen und die Bewirtschaftung von Bewässerungsteichen genannt.
Auf dem stillen, grün überzogenen Gewässer arbeiten nun zwei eine leise Maschine gegen ein Problem, das sich über viele Jahre aufgebaut hat. Sie erzeugen eine künstliche Strömung, um den Teich quasi wiederzubeleben.
Anaerob bedeutet: ohne Sauerstoff. In einem Teich passiert das vor allem im Schlamm am Grund, wenn dort kaum noch Sauerstoff ankommt. Organisches Material wird dann von Mikroorganismen zersetzt, die ohne Sauerstoff arbeiten. Dabei können faulige Gerüche entstehen. Für das Gewässer ist das ein Warnsignal.
Aerob bedeutet: mit Sauerstoff. Aerobe Bakterien brauchen Sauerstoff und bauen organisches Material meist effizienter und für das Gewässer verträglicher ab. Genau deshalb soll die Oloid-Technik Sauerstoff und Bewegung in tiefere Wasserschichten bringen. Ziel ist, die Bedingungen am Teichgrund wieder stärker in Richtung „aerob“ zu verschieben.