Mehr als ein Jahr nach dem Ausbau der Verbindungsstraße zwischen Seegeritz und Merkwitz ist nun auch der geplante Fahrradschutzstreifen aufgebracht worden. Seit dieser Woche prägen gestrichelte Linien, Fahrradsymbole und rot markierte Bereiche die Fahrbahn. Zugleich gilt auf der außerörtlichen Strecke neuerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde.
Die Markierung ist Teil eines Verkehrsversuchs, der nach Angaben der Stadt Taucha in dieser Form einmalig im Freistaat Sachsen ist. Er soll maximal zweieinhalb Jahre dauern und wissenschaftlich begleitet werden. Untersucht werden soll, wie sich der Schutzstreifen auf die Verkehrssicherheit, das Verhalten der Verkehrsteilnehmer und das Sicherheitsgefühl der Radfahrer auswirkt.
Der Schutzstreifen befindet sich jeweils am Rand der Fahrbahn und ist durch eine unterbrochene Linie gekennzeichnet. Rechtlich bleibt er Bestandteil der Fahrbahn. Kraftfahrzeuge dürfen ihn nur bei Bedarf überfahren, etwa wenn sich zwei größere Fahrzeuge begegnen. Dabei darf der Radverkehr weder gefährdet noch behindert werden. Beim Überholen von Radfahrern gilt außerorts weiterhin der gesetzlich vorgeschriebene Mindestabstand von zwei Metern.
Zusätzlich zur neuen Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer pro Stunde wurde die Strecke mit einem Überholverbot ausgeschildert. Die roten Flächen und deutlich sichtbaren Fahrradsymbole sollen Autofahrer insbesondere an den Übergängen auf die neue Verkehrsführung aufmerksam machen.
Die Umsetzung hatte sich deutlich länger hingezogen als ursprünglich geplant. Bereits im Sommer 2025 war die Straße grundhaft erneuert und verbreitert worden. Die zuvor teilweise weniger als 5,50 Meter breite Fahrbahn misst seitdem durchgehend sieben Meter. Auch die Situation im Bereich der Kuppe wurde bei den Bauarbeiten entschärft.
Die Stadt wollte die neue Breite von Anfang an nutzen, um den Radverkehr zwischen den beiden Tauchaer Ortsteilen sicherer zu führen. Zunächst stellte sich jedoch die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises Nordsachsen gegen das Vorhaben. Hintergrund war, dass Fahrradschutzstreifen außerhalb geschlossener Ortschaften nach den geltenden Verwaltungsvorschriften grundsätzlich nicht vorgesehen sind.
Taucha setzte sich deshalb für einen Modellversuch ein. Während nach dem Ausbau zunächst weiterhin Tempo 70 galt, wurde die zulässige Geschwindigkeit für den nun gestarteten Verkehrsversuch auf 50 Kilometer pro Stunde abgesenkt.
Ein baulich von der Fahrbahn getrennter Radweg wäre aus Sicht vieler Radfahrer die sicherere Lösung. Auch die Verwaltung teilt diese Meinung - jedoch scheitert es an den Flächen. Mit den Eigentümern der angrenzenden Grundstücke konnte hierzu keine Einigung erzielt werden. Der Schutzstreifen ist damit ein Versuch, trotz der begrenzten Möglichkeiten eine bessere Verbindung für Radfahrer zu schaffen.
In den sozialen Netzwerken stößt die neue Verkehrsführung allerdings nicht nur auf Zustimmung. Kritik gibt es vor allem an der Reduzierung auf Tempo 50. Auch Sinn und Funktionsweise der Schutzstreifen werden in den Kommentarspalten infrage gestellt. Ob die Markierungen tatsächlich zu mehr Sicherheit führen, soll deshalb nicht allein anhand subjektiver Eindrücke bewertet werden.
Zur wissenschaftlichen Begleitung gehört eine Online-Befragung für Erwachsene, die die Straße zwischen Merkwitz und Seegeritz nutzen. Gefragt wurde bereits im Vorfeld unter anderem nach persönlichen Erfahrungen, der Wahrnehmung der Verkehrssituation und dem Sicherheitsgefühl auf der Strecke. Auch Schüler wurden gesondert einbezogen. Dabei sollte erfasst werden, wie häufig sie die Verbindung mit dem Fahrrad nutzen, welche Probleme sie wahrnehmen und weshalb sie die Strecke möglicherweise meiden. Zudem interessierte die Verantwortlichen, ob sich die jungen Radfahrer dort sicher oder eingeschränkt fühlen. Die Befragung lief bis vor wenigen Tagen, teilgenommen haben laut Verwaltung rund 100 Menschen.
Auch während des Verkehrsversuchs wird es wieder eine Online-Umfrage geben, die in Kürze freigeschaltet werden soll. Der entsprechende Link wird dann hier nachgetragen.