Nach jahrelangen Verzögerungen steht das ungewöhnliche Tempelprojekt in Taucha offenbar tatsächlich vor dem Baustart: Am 2. Juni sollen die fünf vietnamesischen Holzbauer in Deutschland ankommen. Damit soll eines der außergewöhnlichsten Bauvorhaben der Region nun endgültig Realität werden.
Bei dem Projekt handelt es sich um einen traditionellen buddhistischen Tempel aus Vietnam, der vollständig aus Holz gefertigt und ohne Nägel oder Schrauben errichtet werden soll. Grundsteinlegung für das Projekt war bereits im Jahr 2017. Finanziert wurde der Tempel von einem buddhistischen Mönch und seinen Unterstützern in Vietnam. Das Bauwerk gilt als Geschenk an Deutschland. Genau das sorgte jedoch über Jahre für erhebliche Probleme.
„Es gibt in den deutschen Regularien schlicht keine Spielregeln dafür, wie ein Geschenk dieser Art aufgebaut und übergeben wird“, sagt Architekt Marco Stelzel, der das Projekt seit Jahren begleitet. Weil die vietnamesischen Spezialisten den Tempel in traditioneller Bauweise errichten sollen, waren Arbeitsvisa notwendig. Diese konnten jedoch zunächst nicht erteilt werden, da der Vorgang in keine klassische arbeitsrechtliche Kategorie passte.
Die entscheidende Wende brachte letztlich eine Lösung über das sogenannte öffentliche Interesse. Laut Stelzel arbeiteten Landkreis, Stadtverwaltung, Ausländerbehörde und weitere Stellen eng zusammen, um einen rechtssicheren Weg zu finden. „Das war ein mega Kraftakt. Niemand hat mehr daran geglaubt – außer ich“, sagt Stelzel.
Landrat Kai Emanuel sowie die Stadt Taucha bestätigten offiziell das öffentliche Interesse an dem Projekt, sagt der Architekt. Zudem wurden fünf Stellen gefunden, die für die vietnamesischen Arbeiter bürgen – unter anderem finanziell sowie mit kostenlosem Wohnraum und Krankenversicherung. Das Landratsamt habe sämtliche Unterlagen an das Auswärtige Amt übermittelt, das diese wiederum an die Deutsche Botschaft in Hanoi weiterleitete. Inzwischen seien die Visa erteilt worden.
„Seit meinem Besuch in der Deutschen Botschaft in Hanoi hat es rund ein Jahr gedauert, bis wir einen Kompromiss auf Basis eines passenden Paragraphen gefunden hatten“, erklärt Stelzel. Nun könne es endlich losgehen.
Die Baubeginnanzeige sei bereits gestellt worden. Auch die zweite Baugenehmigung liege weiterhin gültig vor. Parallel führe Stelzel Gespräche mit Firmen, die den Aufbau unterstützen sollen.
Der eigentliche Tempelbau soll etwa ein halbes Jahr dauern. Weitere sechs Monate werden für die Außenanlagen eingeplant. Vorgesehen sind unter anderem traditionelle Gestaltungselemente und ein Zen-Garten. Insgesamt rechnet Stelzel mit rund einem Jahr Bauzeit.
Der Tempel soll künftig nicht nur religiöser Ort für Buddhisten aus der Region sein, sondern auch als vietnamesisches Kulturzentrum dienen. „Das Ganze soll offen für alle sein“, sagt Stelzel. Damit könnte in Taucha nun wirklich ein europaweit ungewöhnliches Kultur- und Begegnungsprojekt entstehen.