Die Brücke an der Badergasse sieht derzeit deutlich reduziert aus. Genau genommen ist sie kaum noch da. Unter der Konstruktion befindet sich ein Podest. Darauf arbeitet Christian Scholze. Meist allein.
Der Bauingenieur aus Kamenz hat den Auftrag übernommen, die in die Jahre gekommene Fuß- und Radwegbrücke umfassend zu sanieren. Dabei ist Scholze nicht nur für Planung und technische Berechnungen zuständig. Er schleift, spachtelt, grundiert und montiert selbst. „Ich bin Bauingenieur und Zimmermann. Und ich habe die Liebe zur Zimmermannsarbeit nie verloren“, sagt er. Genau diese Kombination präge seine Arbeit, sagt er: „Was ich plane, baue ich auch.“
„Ich habe die Liebe zur Zimmermannsarbeit nie verloren”
Die Brücke an der Badergasse war zuletzt 2021 instand gesetzt worden. Damals handelte es sich noch um kleinere Reparaturen. Inzwischen ist eine deutlich umfangreichere Sanierung notwendig. Besonders betroffen waren die Bereiche, in denen die Holzkonstruktion immer wieder Feuchtigkeit ausgesetzt ist. „Irgendwann kommen die Brücken halt in die Jahre. Besonder deutlich zeigte sich das an den Widerlagern der Brücke: „Die waren völlig vergammelt.“
Für den gelernten Zimmermann ist die Ursache typisch für Holzkonstruktionen an Gewässern. Entscheidend sei nicht allein Feuchtigkeit. „Wenn es ständig nass wäre, wäre das super. Da hält das ewig“, erklärt Scholze. Problematisch seien die Übergangszonen, in denen das Material immer wieder nass und anschließend trocken werde. Dieser ständige Wechsel begünstige Fäulnis. Die alten Bauteile entfernte er darum. Als Ersatz verwendet Scholze sogenannte Trimax-Profile.
Dabei handelt es sich nicht um Metall, sondern um glasfaserverstärktes Kunststoffmaterial. Der Hersteller beschreibt Trimax als sortenreinen Recycling-Kunststoff mit Glasfaseranteil. Er ist insbesondere für Bereiche vorgesehen, die regelmäßig Feuchtigkeit ausgesetzt sind.
Mit dem Austausch der Auflager ist die Arbeit allerdings längst nicht beendet. Die vorhandene Hauptkonstruktion aus Holz bleibt erhalten und wird aufgearbeitet. Zunächst werden sämtliche Oberflächen abgeschliffen. Fehlstellen im Holz bessert Scholze mit geeignetem Holzspachtel aus. Anschließend folgt eine Grundierung, bevor zwei Deckanstriche aufgebracht werden.
Erst danach wird die Konstruktion wieder vollständig zusammengesetzt. Anschließend werden der Belag und das das neue Geländer aus glasfaserverstärktem Kunststoff montiert. Dieses Material ist in Taucha inzwischen bereits bekannt. Auch bei der 2024 sanierten Brücke am Auenweg und bei der im vergangenen Jahr erneuerten Brücke an der Glockentiefe setzte die Stadt auf GFK-Komponenten.
Ende September soll die Badergasse-Brücke nach Scholzes Planung fertiggestellt sein.
Dass ein Bauingenieur seine eigenen Planungen anschließend weitgehend selbst auf der Baustelle umsetzt, ist ungewöhnlich. Für Scholze ist genau das inzwischen sein Geschäftsmodell. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Zimmermann und studierte später Bauingenieurwesen in Deutschland und England. Anschließend war er unter anderem für Stahlbauunternehmen tätig. Seit 2024 arbeitet er selbständig und hat sich auf Fuß- und Radwegbrücken spezialisiert. Seine Schwerpunkte liegen bei Sanierungen bestehender Holzbrücken sowie beim Neubau mit glasfaserverstärkten Kunststoffen und Duplex-Edelstahl.
Für Scholze hat die Verbindung aus Theorie und Praxis einen ganz konkreten Vorteil: Planungsfehler oder komplizierte Details landen nicht irgendwann bei einem anderen ausführenden Unternehmen, sondern direkt bei ihm selbst auf der Baustelle. „Wenn ich einen Fehler mache in der Planung, ist das meine Schuld“, sagt er. Gerade deshalb denke er bei der Planung etwas länger darüber nach, wie sich eine Konstruktion später tatsächlich montieren lasse.
Auch an der Badergasse arbeitet Scholze überwiegend alleine. Mitarbeiter hat er auf der Baustelle nicht. Voraussetzung sei allerdings Erfahrung damit, wie eine Brückenkonstruktion angehoben, gesichert und bearbeitet werden könne. Dass die körperliche Arbeit anstrengend ist, bestreitet er nicht. Belastend empfindet er sie dennoch kaum. Im Gegenteil: Nach längeren Planungsphasen im Büro sei die Arbeit auf der Baustelle für ihn ein Ausgleich, vergleichbar mit einem Training.
Unter der Brücke hat Scholze für die Arbeiten ein großflächiges Podest aufgebaut. Das erleichtert nicht nur das Arbeiten an der Unterseite der Konstruktion. Es erfüllt auch einen Umweltzweck: Beim Abschleifen der alten Beschichtungen soll möglichst kein Material in die Parthe gelangen. Die Schleifgeräte sind deshalb an Absauganlagen angeschlossen. Zusätzlich wird das Plateau unter der Brücke täglich gereinigt. „Ich will nicht, dass irgendetwas in den Fluss kommt“, sagt Scholze. Während seiner Arbeit hat er das Leben rund um die Parthe inzwischen aus nächster Nähe kennengelernt. Frösche, Eichhörnchen, Igel, Ratten und streunende Katzen habe er rund um die Baustelle bereits beobachtet.
Positiv bewertet Scholze auch die Zusammenarbeit mit der Stadt Taucha. Unterstützung bekomme er unter anderem von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus dem Fachbereich Bauwesen und vom städtischen Bauhof. Material könne dort zwischengelagert werden, größere Bauteile würden bei Bedarf zur Baustelle transportiert. Auch das nahe PartheBad spielt eine Rolle. Von dort erhält Scholze Strom für seine Arbeiten. „Wenn man so Hand in Hand arbeitet, ist das was ganz Tolles“, sagt er.
Weniger reibungslos läuft mitunter der Umgang mit der Sperrung. Während viele Kinder stehen bleiben und interessiert beobachten, was an der Brücke geschieht, reagieren manche Erwachsene nach Scholzes Beobachtung deutlich ungeduldiger. Die Absperrungen musste er inzwischen bis weit in Richtung Parthe verlängern. Andernfalls würden einzelne Passanten offenbar versuchen, die Baustelle direkt am Wasser zu umgehen. „Manche würden wahrscheinlich auch nasse Füße in Kauf nehmen, nur um ein paar Meter zu sparen“, sagt Scholze. Die ausgeschilderte Umleitung führt während der Bauzeit über „An der Parthe“, die Leipziger Straße, die Wegeanlage am Großen Schöppenteich und die Brücke am Auenweg.
Neben Sanierungen beschäftigt sich Scholze zunehmend mit Brückenneubauten aus Duplex-Edelstahl. Das Material besitzt eine besonders hohe Korrosionsbeständigkeit und benötigt keinen klassischen Schutzanstrich. Scholze war 2025 über seine Firmierung Eterna Bridge mit dem Bau einer 9,4 Meter langen Fuß- und Radwegbrücke aus Duplex-Edelstahl in Döbeln beauftragt. Das Projekt wurde als erste Edelstahl-Brücke in Deutschland vorgestellt. Duplex-Edelstahl verbindet hohe Festigkeit mit ausgeprägter Korrosionsbeständigkeit. Gerade für kleinere Fuß- und Radwegbrücken sieht Scholze darin eine Möglichkeit, den späteren Wartungsaufwand deutlich zu reduzieren.
An der Badergasse kann Scholze seiner zweiten Leidenschaft, der Sanierung, frönen. Möglichst viel soll von der vorhandenen Konstruktion erhalten werden. Gleichzeitig werden jene Teile zu ersetzt, die besonders anfällig für Feuchtigkeit und Alterung sind. Scholze ist überzeugt, dass der Unterschied nach Abschluss der Arbeiten deutlich sichtbar sein wird. „Das sieht dann wieder schön aus und hält sehr lange“, sagt er. Und weiter: „Das ist eine Aufwertung. Die Menschen in Taucha können sich daran erfreuen.“