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Nach monatelangen Diskussionen um einen Snackautomaten am Geschwister-Scholl-Gymnasium gibt es nun eine Lösung – allerdings eine, die in ihren Grundzügen bereits zuvor vorgelegen hatte. Die nun umgesetzten Rahmenbedingungen waren nach Angaben des regionalen Anbieters The Corner 3000 schon seit dem vergangenen Sommer angeboten worden, wurden vom Landratsamt Nordsachsen damals jedoch abgelehnt. Erst jetzt wurde ein vergleichbares Modell realisiert – mit einem anderen Betreiber.
Seit Beginn des Jahres steht im Schüleraufenthaltsraum des Gymnasiums ein Snackautomat des Unternehmens Diggi24 aus Monheim am Rhein. Vorausgegangen war unter anderem ein Artikel bei Taucha kompakt im Mai 2025, in dem Schüler ihren Unmut über die fehlende Pausenversorgung äußerten und die ablehnende Haltung des Schulträgers öffentlich thematisiert wurde.
Diggi24-Geschäftsführer Lasse Hennerkes erklärt, sein Unternehmen sei durch diese Berichterstattung auf die Situation aufmerksam geworden. In der Folge habe man Gespräche mit Schulleiterin Kathrin Rentsch sowie dem Landratsamt geführt. „Relativ schnell fanden wir eine Lösung, die nun darin resultierte, dass der Automat seit Beginn des Jahres im Geschwister-Scholl-Gymnasium steht“, so Hennerkes.
Kern der jetzigen Vereinbarung ist, dass Diggi24 sowohl die Strom- als auch die Reinigungskosten des Automaten übernimmt. Für das Landratsamt Nordsachsen als Schulträger entstehen dadurch keine laufenden Kosten. Finanziert wird das Angebot ausschließlich über den Verkauf der Produkte. Ergänzend werden Werbeflächen auf dem Automaten angeboten, etwa für Ausbildungs- oder Praktikumsangebote von Unternehmen.
Die Preise liegen nach Angaben des Betreibers bei zwei Euro für eine Apfelschorle inklusive Pfand sowie einem Euro für einen Keksriegel. Diggi24 strebt an, weitere Schulen im Landkreis Nordsachsen auszustatten und arbeitet bereits mit dem Freien Gymnasium Borsdorf zusammen.
Beim regionalen Anbieter The Corner 3000 stößt die jetzige Lösung auf Verwunderung. Geschäftsführer Jens Burghardt betont, dass sein Unternehmen dem Landratsamt bereits im vergangenen Sommer ein inhaltlich gleiches Modell angeboten habe. „Diese Rahmenbedingungen, die nun hier gefunden wurden, haben wir anfangs ebenso angeboten, wurden aber vom Landratsamt kategorisch abgelehnt. Warum das nun pötzlich kein Problem mehr ist, würden wir gern wissen“, sagt Burghardt.
Auch preislich habe man sich auf demselben Niveau bewegt. „Wir hatten Preise von zwei Euro pro Getränk und einem Euro pro Riegel veranschlagt. Das war dem Schulträger aber zu teuer“, so Burghardt. Daraufhin habe The Corner 3000 angeboten, bei Übernahme der Stromkosten auch günstigere Produktpreise zu realisieren. Nun, mit dem neuen Anbieter, sind exakt diese Produktpreise für das Landratsamt Nordsachsen offenbar keine Probleme mehr.
Letztlich entspreche das nun umgesetzte Modell exakt dem, was über The Corner 3000 bereits seit dem vergangenen Sommer möglich gewesen wäre. „Insofern ist es für uns ein bisschen schleierhaft, weshalb man nicht einfach noch mal auf uns als lokalen Anbieter zugegangen ist. Wir fühlen uns durchaus hintergangen, zumal wir viele Gespräche geführt hatten“, erklärt Burghardt.
Unabhängig von der Entscheidungsfindung des Landratsamtes wird der Automat innerhalb der Schule positiv aufgenommen. Marcus Rößner von der Schulsozialarbeit Taucha unter Trägerschaft des Diakonischen Werks Delitzsch / Eilenburg sagt: „Schön, dass es nun endlich geklappt hat und die Schüler eine bessere Pausenversorgung vorfinden können. Der Automat steht im Schüleraufenthaltsraum, das ist für alle sicher die beste Lösung.“ Laut Rößner war der Automat bereits nach wenigen Tagen nahezu leer und musste neu befüllt werden.
Das Landratsamt ist ebenfalls zufrieden. Nordsachsens Amtsleiter für Schulen und Bildung, Roman Becker, erklärt: „Tatsächlich sind wir seit geraumer Zeit auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten, um auch perspektivisch die Essensversorgung in Schulen weiter anbieten zu können. Vor allem mit sinkenden Schülerzahlen wird das Thema in Zukunft noch drängender.“ Taucha werde daher als Pilotprojekt betrachtet, dessen Annahme nun zunächst beobachtet werde.
Damit ist die Debatte um den Snackautomaten am Gymnasium vorerst beendet – die Frage nach transparenten und einheitlichen Maßstäben bei der Auswahl von Anbietern dürfte jedoch über den Einzelfall hinaus weiter bestehen.