Aktualisierung, 5. Oktober:
Das Amtsgericht Leipzig hat am 3. Oktober die vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Energiekonzepte Deutschland GmbH (EKD) angeordnet. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Prof. Dr. Lucas F. Flöther bestellt. Er soll die Unternehmensführung überwachen und das Vermögen im Interesse der Gläubiger sichern. Verfügungen über das Unternehmensvermögen sind nur noch mit seiner Zustimmung wirksam. Das eigentliche Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. Über die Fortführung oder eine mögliche Schließung des Unternehmens trifft der Beschluss keine Aussage.
Seit 5. Oktober gilt dies auch für die Energiekonzepte Deutschland PV-Montage GmbH, die Energiekonzepte Deutschland Investorenholding GmbH, die Energiekonzepte Deutschland Holding GmbH Straße und die AMPERE German Electric Innovation GmbH.
Energiekonzepte Deutschland (EKD) mit Standorten in Leipzig und Taucha steht nach Informationen von Taucha kompakt vor einem Insolvenzantrag. Dieser soll am Donnerstag, 1. Oktober, gestellt werden. Betroffen sind den vorliegenden Angaben zufolge 340 Mitarbeiter an beiden Standorten. Hintergrund soll der Rückzug einer Finanzierungszusage durch den Investor Pemberton sein. Eine offizielle Bestätigung des Unternehmens liegt bislang nicht vor. EKD-Sprecherin Julia Neuer war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
Wie Taucha kompakt erfuhr, wurde die Belegschaft am Mittwoch bei einer außerordentlichen Mitarbeiterversammlung über die Situation informiert. Für 17 Uhr sei eine weitere Versammlung mit den Vertriebsmitarbeitern vorgesehen. Pemberton soll bereits am vergangenen Freitag, 25. September, in einer knappen Mitteilung angekündigt haben, die zugesagte Finanzierung zurückzuziehen. Damit sei die weitere Finanzierung des Unternehmens nicht mehr gesichert.
Die Folgen treffen die Beschäftigten offenbar unmittelbar. Nach Informationen von Taucha kompakt haben sie bislang kein Septembergehalt erhalten. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass die Zahlung vorerst ausbleibe. Außerdem sollen sie Schreiben erhalten, die ihre Situation im Zusammenhang mit der angekündigten Insolvenz dokumentieren. Diese sollen dazu dienen, beispielsweise Vermieter oder andere Zahlungsempfänger um einen Aufschub finanzieller Verpflichtungen zu bitten. Ob und wann das Septembergehalt gezahlt wird, ist unbekannt.
Den vorliegenden Angaben zufolge funktionieren auch Tankkarten für Firmenfahrzeuge teilweise bereits nicht mehr. Eine unabhängige Bestätigung dafür gibt es bislang ebenso wenig wie für die Einzelheiten der zurückgezogenen Finanzierungszusage.
Pemberton soll EKD bisher mit rund fünf Millionen Euro monatlich unterstützt haben. Nach Informationen von Taucha kompakt habe der Investor wiederholt ein tragfähiges Konzept verlangt, mit dem das Unternehmen zumindest die Gewinnschwelle erreichen könne. Ein solches Konzept sei jedoch nicht vorgelegt worden.
Dabei war der Einstieg des Investors mit weitreichenden Zusagen verbunden. Im Herbst 2024 hatte EKD die vereinbarte Übernahme durch Fonds bekannt gegeben, die von Pemberton Asset Management beraten werden. Der Vermögensverwalter mit Sitz in London wurde als finanzstarker Partner vorgestellt. Frisches Kapital sollte die wirtschaftliche Stabilität sichern, die Wettbewerbsfähigkeit stärken und weiteres Wachstum ermöglichen. Der Abschluss der Übernahme wurde im März 2025 kommuniziert.
Bereits im November 2025 waren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten allerdings auch für die Belegschaft deutlich geworden. Am 14. November erhielten 86 Mitarbeiter ihre Kündigung. Betroffen waren verschiedene Unternehmensbereiche, darunter Lager und Logistik in Taucha sowie Abteilungen an den Leipziger Standorten. EKD begründete den Personalabbau damals mit wirtschaftlichen und strukturellen Herausforderungen sowie einer notwendigen Neuausrichtung.
Zugleich erhoben Mitarbeiter den Vorwurf, die Kündigungen hätten mit der geplanten Gründung eines Betriebsrats zu tun. Wenige Tage zuvor war nach damaligen Angaben aus der Belegschaft ein Wahlvorstand gebildet worden. Das Unternehmen bestritt einen ursächlichen Zusammenhang ausdrücklich. Sprecherin Julia Neuer erklärte, das Management stehe einer Betriebsratsgründung nicht im Wege. Allerdings werde geprüft, ob der Wahlvorstand rechtlich einwandfrei zustande gekommen sei. Auch beim Thema Sozialplan widersprachen sich die Darstellungen von Mitarbeitern und Unternehmen.
Noch kurz vor den Entlassungen hatte sich EKD bei einem Netzwerkabend der Stadt am 6. November 2025 als gut aufgestelltes Unternehmen präsentiert. Im Mittelpunkt standen optimierte Abläufe, wirtschaftliche Ziele und die Bedeutung des Unternehmens für die Region. Taucha kompakt berichtete anschließend über den überraschenden Personalabbau.
Auch öffentlich bemühte sich EKD, Berichten über eine mögliche Insolvenz entgegenzutreten. Ein weiterhin abrufbarer Beitrag auf der Unternehmenswebsite trägt die Überschrift „Faktencheck: ‚Pleite‘-Berichte zu Energiekonzepte Deutschland (EKD)“. Im Text ist der 12. Dezember 2025 genannt, als Datum der letzten Änderung des Textes wird der 10. August 2026 angezeigt. Darin erklärte das Unternehmen, dass kein Insolvenzverfahren vorliege. Nach der Umwandlung von Verbindlichkeiten in Eigenkapital sei EKD nahezu schuldenfrei. Projekte seien durchfinanziert, Mittel für die Weiterentwicklung gesichert. Auch laufende Aufträge, Wartung, Service und Garantieleistungen stellte das Unternehmen als abgesichert dar. Für 2026 kündigte es eine weitere Wachstumsphase an.
Die nun vorliegenden Informationen würden eine grundlegende Veränderung gegenüber dieser Darstellung bedeuten. Gerade für Kunden stellt sich die Frage, wie laufende Projekte abgeschlossen und zugesagte Leistungen für bereits installierte Photovoltaikanlagen und Energiesysteme künftig erbracht werden können. Nach Informationen von Taucha kompakt sollen Kunden Stornierungen ermöglicht werden. Welche Aufträge dies betrifft und zu welchen Bedingungen, ist bislang unklar.
Offen ist ebenso, ob und in welchem Umfang der Geschäftsbetrieb fortgeführt werden könnte. Die vorliegenden Angaben zeichnen ein ernstes Bild der wirtschaftlichen Lage. Ein endgültiges Aus des Unternehmens ist damit jedoch bislang nicht bestätigt. Zunächst steht nach Informationen von Taucha kompakt für Donnerstag der Insolvenzantrag bevor – und für 340 Mitarbeiter die Frage, wie es nach dem ausgebliebenen Septembergehalt weitergeht.