Elternbeiträge steigen ab Januar – Stadtrat dämpft Anstieg bei Krippenplätzen | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 18.09.2026 08:44

Elternbeiträge steigen ab Januar – Stadtrat dämpft Anstieg bei Krippenplätzen

Eltern müssen für die Kinderbetreuung ab Januar tiefer in die Tasche greifen. (Foto: FeeLoona auf Pixabay)
Eltern müssen für die Kinderbetreuung ab Januar tiefer in die Tasche greifen. (Foto: FeeLoona auf Pixabay)
Eltern müssen für die Kinderbetreuung ab Januar tiefer in die Tasche greifen. (Foto: FeeLoona auf Pixabay)

Eltern müssen sich in Taucha ab Januar 2027 auf höhere Betreuungskosten einstellen. Trotz der vom Stadtrat beschlossenen Entlastung steigt der monatliche Beitrag für einen Krippenplatz mit neun Stunden Betreuungszeit von derzeit 272,03 Euro auf 304,46 Euro. Ohne die politische Korrektur wäre die Erhöhung noch stärker ausgefallen.

Der Stadtrat beschloss am Donnerstagabend eine Neufassung der Elternbeitragssatzung. Im Krippenbereich wird der von den Eltern zu tragende Anteil an den Betriebskosten von bislang 20 auf 19 Prozent gesenkt. Die Vorlage erhielt 15 Ja- und fünf Nein-Stimmen.

Die Satzung tritt formal zum 1. Oktober 2026 in Kraft. Die neu berechneten Beiträge gelten vom 1. Januar 2027 an.

Ein Prozentpunkt bremst die Erhöhung

Ausgangspunkt der neuen Beiträge sind die zuletzt ermittelten durchschnittlichen Betriebskosten. Ein Krippenplatz kostet die Träger in Taucha monatlich rund 1.602 Euro. Weil Personal-, Sach- und weitere Betriebskosten gestiegen sind, erhöhen sich auch die daraus berechneten Elternbeiträge.

Für einen Krippenplatz mit neun Stunden Betreuung werden künftig 304,46 Euro im Monat fällig. Das sind 32,43 Euro mehr als bisher und entspricht einer Erhöhung um knapp zwölf Prozent. Die Senkung des Elternanteils von 20 auf 19 Prozent verhindert somit keine Beitragserhöhung, reduziert sie aber spürbar.

Die jährlichen Mehrkosten für den städtischen Haushalt bezifferte Bürgermeister Tobias Meier auf rund 23.000 Euro. Diese Summe könne aus den Rücklagen finanziert werden. „Die 23.000 Euro können wir verkraften“, sagte Meier während der Beratung.

Kostenvergleich mit Eilenburg und Markkleeberg

Andreas Windhövel, Fachbereichsleiter Innere Verwaltung und damit auch für die Kindertagesstätten und Horte zuständig, wies im Stadtrat darauf hin, dass eine Absenkung des Betriebskostenanteils nicht üblich sei. Andere Kommunen hätten diesen Weg jedoch bereits gewählt, um Familien zu entlasten. Diesem Beispiel wolle sich Taucha anschließen.

Die gestiegenen Beiträge seien nicht die Folge überdurchschnittlich hoher Kosten in den Einrichtungen, betonte Windhövel im Gespräch mit Taucha kompakt. Die Stadt habe die Betriebskosten mit anderen Kommunen verglichen. Während ein Krippenplatz in Taucha monatlich rund 1.602 Euro kostet, sind es in Eilenburg etwa 1.719 Euro und in Markkleeberg rund 1.759 Euro. „Unsere Träger arbeiten nicht ineffizient“, so der Fachsbereichsleiter.

Elternbeiträge decken nur einen Teil der Kosten

Die Betreuungskosten werden von mehreren Seiten getragen. Die Landeszuschüsse des Freistaates decken nach Angaben Windhövels ungefähr ein Drittel der Ausgaben. Je nach Betreuungsform übernehmen die Eltern zwischen einem Fünftel und einem Viertel der Betriebskosten. Der verbleibende kommunale Anteil von etwa 30 bis 40 Prozent muss aus dem Haushalt der Stadt finanziert werden. Eine direkte Gegenfinanzierung für niedrigere Elternbeiträge sei deshalb nur über höhere Landeszuschüsse möglich. Übernimmt der Freistaat keinen größeren Anteil, muss die Stadt zusätzliche Entlastungen aus eigenen Haushaltsmitteln bezahlen.

Beiträge für Kindergarten und Hort steigen ebenfalls

Für Kindergarten und Hort bleiben die prozentualen Anteile unverändert. Eltern tragen weiterhin 26 Prozent der Betriebskosten eines Kindergartenplatzes und 28 Prozent der Betriebskosten eines Hortplatzes.

Wegen der gestiegenen Betriebskosten erhöhen sich dennoch auch hier die monatlichen Beiträge. Ein Kindergartenplatz mit neun Stunden Betreuung kostet künftig 177,24 Euro statt bisher 147,35 Euro. Das entspricht einer Steigerung um 29,89 Euro beziehungsweise gut 20 Prozent.

Für einen Hortplatz mit sechs Stunden Betreuungszeit steigt der Monatsbeitrag von 85,69 Euro auf 100,95 Euro. Eltern zahlen damit künftig 15,26 Euro beziehungsweise knapp 18 Prozent mehr.

Rot-Rot-Grün wollte Kindergarten und Hort zusätzlich entlasten

Die Fraktion SPD, Grüne und Linke („Rot-Rot-Grün”) unterstützte die vorgesehene Absenkung im Krippenbereich, brachte jedoch einen weitergehenden Änderungsantrag ein. Demnach sollten auch die Elternanteile für Kindergarten und Hort jeweils um einen Prozentpunkt gesenkt werden.

Für den Kindergarten wären damit künftig 25 statt 26 Prozent und für den Hort 27 statt 28 Prozent der Betriebskosten angesetzt worden. Fraktionsvorsitzender Tom Richter verwies während der Sitzung auf die wirtschaftliche Belastung von Familien und Mittelstand. Die zusätzlichen Kosten könnten nach Auffassung der Fraktion aus den Rücklagen des Haushaltsjahres 2027 finanziert werden.

Im Zusammenhang mit diesem Änderungsantrag bezifferte Bürgermeister Tobias Meier die finanziellen Folgen einer Entlastung in allen drei Betreuungsbereichen. Zu den rund 23.000 Euro für die Krippenplätze wären für Kindergarten und Hort weitere rund 70.000 Euro gekommen. Insgesamt hätte die Stadt damit jährlich etwa 93.000 Euro zusätzlich übernehmen müssen.

Der Änderungsantrag wurde mit fünf Ja- und 15 Nein-Stimmen abgelehnt.

„Für viele Familien sind die gestiegenen Betreuungskosten inzwischen eine erhebliche finanzielle Belastung. Gleichzeitig müssen Eltern mit deutlich höheren Lebenshaltungs-, Energie- und Wohnkosten umgehen. Gerade in dieser Situation wäre eine moderate Entlastung ein wichtiges Signal gewesen“, erklärte Richter in einer am Freitag versandten Pressemitteilung. Die Kosten von rund 92.500 Euro pro Jahr hätten aus den Rücklagen im Haushalt 2027 finanziert werden können. Gleichzeitig wären die Finanzierung und die Qualität der Betreuungsangebote gesichert geblieben, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir halten es für falsch, die Familien bei solch stark steigenden Lebenshaltungskosten zusätzlich mit höheren Betreuungskosten zu belasten. Eine Gebührensenkung um 1 Prozent hätte keine grundlegende Veränderung des Haushalts bedeutet, aber für die betroffenen Familien eine spürbare Entlastung gebracht. Einsparungspotentiale zurRefinanzierung versprechen wir auch an anderer Stelle zu finden”, so Tom Richter.

Gute und verlässliche Kinderbetreuung ist eine wichtige kommunale Aufgabe – dazu gehört auch, Familien bei den Betreuungskosten im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Stadt zu entlasten, insofern sei es schade, dass der Antrag abgelehnt worden sei.

CDU vermisst konkrete Gegenfinanzierung

Die CDU-Fraktion sprach sich grundsätzlich ebenfalls für eine Entlastung von Familien aus, vermisste jedoch eine konkrete Gegenfinanzierung. Frank Apitz, stellvertretender Bürgermeister und Vorsitzender der CDU-Fraktion im Stadtrat, bezeichnete das Thema als wichtig. Seine Fraktion habe im Vorfeld um eine verbindliche Festlegung gebeten, wie die entstehenden Mehrkosten ausgeglichen werden sollen.

Eine Finanzierung ausschließlich aus den städtischen Rücklagen halte die CDU für kritisch, erklärte Apitz. Deshalb stimmte die Fraktion nicht nur gegen den Änderungsantrag von SPD, Grünen und Linken, sondern auch gegen die schließlich beschlossene Absenkung im Krippenbereich.

Weniger Geburten, aber Zuzug nach Taucha

Langfristig wird die Entwicklung der Kinderzahlen auch durch den demografischen Wandel beeinflusst. Nach Angaben von Andreas Windhövel werden in Taucha gegenwärtig etwa 70 Kinder pro Jahr geboren. Um die Einwohnerzahl allein durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung bei rund 16.000 zu halten, wären ungefähr 200 Geburten jährlich erforderlich.

Aktuell erreichten zudem die geburtenschwachen Jahrgänge das Alter, in dem üblicherweise Familien gegründet werden. Im Krippenbereich mache sich dieser Rückgang bereits bemerkbar. Eine Besonderheit Tauchas sei jedoch der anhaltende Zuzug. Dieser zeige sich vor allem bei den Einschulungsjahrgängen. Die Entwicklung der Kinderzahlen in der Parthestadt hängt deshalb nicht allein von den Geburten, sondern in erheblichem Maße auch davon ab, wie viele Familien künftig nach Taucha ziehen.

Elternbeiträge in Taucha ab 1. Januar 2027

Betreuungsform Betreuungszeit Bisher Ab 2027 Veränderung
Krippe 9 Stunden 272,03 Euro 304,46 Euro +32,43 Euro
Kindergarten 9 Stunden 147,35 Euro 177,24 Euro +29,89 Euro
Hort 6 Stunden 85,69 Euro 100,95 Euro +15,26 Euro

Angegeben sind die ungekürzten monatlichen Elternbeiträge. Ermäßigungen, etwa für Alleinerziehende oder mehrere gleichzeitig betreute Kinder, sind nicht berücksichtigt.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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