Es war nur ein Scherz, aber einer, der an diesem Freitag wirklich gut passte. FDP-Stadträtin Kristina Danz nannte das neue Sozialgebäude des Bauhofs augenzwinkernd „die Haferburg“ – in Anlehnung an Bauhofleiter Marco Haferburg. Ein Spitzname, der hängenbleiben könnte. Denn für den Bauhof ist der Neubau weit mehr als ein weiteres städtisches Gebäude: Er ist ein deutlich sichtbares Zeichen dafür, dass die Arbeit der 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ernst genommen wird.
Zur offiziellen Eröffnung waren neben Stadträtinnen und Stadträten auch Vertreter der Stadtverwaltung, Planer, Bauhofmitarbeiter und der Borsdorfer Bauhofleiter Mario Möwius gekommen. Auch für die Verpflegung war lokal gesorgt: Wulf Catering aus Taucha übernahm die Bewirtung.
Bürgermeister Tobias Meier sprach von einem „guten Tag für Taucha“. Die Stadt wachse, sagte er, und mit ihr wüchsen auch die Aufgaben des Bauhofs. Gemeint sind nicht nur sichtbare Arbeiten wie die Pflege von Straßenbegleitgrün, Bäumen, Sträuchern, Blumenbeeten und Blumenkübeln. Der Bauhof ist auch für Instandsetzungen an Straßen und Wegen, Asphaltarbeiten, Straßenentwässerung, Winterdienst, öffentliche Spielplätze, Teile der Straßenbeleuchtung sowie die Unterstützung städtischer Veranstaltungen zuständig.
Dass die bisherige Situation dafür nicht mehr ausreichte, war schon lange klar. Das alte Sozialgebäude war baulich und funktional an seine Grenzen gekommen. Der Neubau umfasst 451 Quadratmeter und ist damit mehr als doppelt so groß wie das bisherige Bestandsgebäude. Im Erdgeschoss befinden sich moderne Sanitäranlagen, getrennte Umkleiden, ein Aufenthaltsraum und ein Schulungsraum. Im Obergeschoss sind drei Büroräume für Verwaltungspersonal untergebracht. Ausgelegt ist das Haus für bis zu 21 Beschäftigte.
Die Kosten liegen bei rund 2,4 Millionen Euro. Nach Angaben von Meier blieb das Projekt damit im Kosten- und Zeitrahmen – und sogar rund 350.000 Euro unter der ursprünglichen Kostenplanung. Finanziert wurde der Bau zu zwei Dritteln über Städtebaufördermittel von Bund und Freistaat Sachsen, ein Drittel trägt die Stadt selbst. Ohne Fördermittel, machte Meier deutlich, seien solche Investitionen künftig kaum noch zu stemmen. Die kommunalen Spielräume würden enger, umso wichtiger sei es, dass die Verwaltung entsprechende Förderprogramme nutze.
Auch technisch soll der Neubau mehr können als nur Umkleide, Pausenraum und Büro sein. Das Gebäude wurde als moderner Holzrahmenbau errichtet, verfügt über Photovoltaikanlage, Batteriespeicher, Wärmepumpe, Klimatisierung und Notstromversorgung. Schon beim Richtfest hatte die Stadt erklärt, dass das Gebäude auch als Funktionsgebäude für den Katastrophenschutz dienen könne, falls etwa Rathaus oder Feuerwache nicht nutzbar wären.
Bis zur Eröffnung war allerdings einiges an Abstimmung nötig. Meier sprach von 55 Bauberatungen. Bauhofleiter Marco Haferburg erinnerte daran, dass wohl kaum jemand an ein solches Gebäude geglaubt hätte, wenn man vor drei oder vier Jahren darüber gesprochen hätte. Nun stehe es da – modern, funktional und nach seinen Worten Ergebnis einer „hervorragenden Zusammenarbeit“ mit den Planern und allen Beteiligten. Besonders hob er hervor, dass die Baustelle komplett unfallfrei geblieben sei.
Ganz fertig ist das Umfeld noch nicht. Einige Restarbeiten stehen noch aus, darunter Asphaltarbeiten und die Toranlage. Verzögert hatte sich der Bau unter anderem wegen des langen Winters.
Planer Hagen Weidemüller vom Büro Weidemüller Hochbauplanung sprach von seinem ersten Bauvorhaben für die Stadt Taucha. Die Zusammenarbeit sei stets auf Augenhöhe verlaufen. Städte und Gemeinden müssten sich heute auch als Arbeitgeber dem Wettbewerb stellen, sagte er. Mit dem neuen Gebäude habe der Bauhof nun sehr gute Arbeitsbedingungen. Zugleich bleibe es ein Zweckbau – allerdings einer, der zukunftsfähig gedacht sei. Durch die Holzbauweise, die energieeffiziente Technik und die Möglichkeit einer späteren Aufstockung könne das Haus auch auf wachsende Anforderungen reagieren. Schon beim Richtfest war die spätere Erweiterbarkeit als Vorteil der Konstruktion benannt worden.
Ein besonderes Lob bekam Bauhofleiter Haferburg von Weidemüller: Er sei als Bauherrenvertreter stets ansprechbar gewesen, teils „Tag und Nacht“. Der Dank ging außerdem an die beteiligten Fachplaner und ausführenden Firmen. Bereits beim Richtfest hatte die Stadt betont, dass viele Gewerke regional vergeben wurden und Fachplaner unter anderem aus Wurzen, Eilenburg, Laußig, Leipzig und Zschepplin beteiligt waren.
Mario Möwius, Bauhofleiter aus Borsdorf, machte deutlich, dass ein solches Gebäude für kommunale Bauhöfe keineswegs selbstverständlich sei. Viele Städte und Gemeinden würden künftig Schwierigkeiten haben, vergleichbare Projekte umzusetzen. Umso mehr freue er sich für die Tauchaer Kollegen. Es sei richtig und wichtig, dass hier an die Mitarbeiter gedacht worden sei. „Das steht euch zu“, sagte er sinngemäß.
Der Neubau ist damit kein Schmuckstück im klassischen Sinne und auch kein Prestigeobjekt. Er ist ein Arbeitsgebäude. Aber genau darin liegt seine Bedeutung. Wer Straßen repariert, Spielplätze wartet, im Winter räumt, Grünflächen pflegt und Veranstaltungen vorbereitet, braucht nicht nur Geräte, Fahrzeuge und Material, sondern auch ordentliche Arbeitsbedingungen. Die gibt es nun.
Oder, wie es der neue Spitzname nahelegt: Die „Haferburg“ steht.