CT Lichtspiele Taucha: Betreiber feiern Jubiläum – und wollen weiter investieren | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 13.05.2026 11:40

CT Lichtspiele Taucha: Betreiber feiern Jubiläum – und wollen weiter investieren

Jacqueline und Daniel Grahl im Saal 1 des Kinos Taucha. (Foto: Daniel Große)
Jacqueline und Daniel Grahl im Saal 1 des Kinos Taucha. (Foto: Daniel Große)
Jacqueline und Daniel Grahl im Saal 1 des Kinos Taucha. (Foto: Daniel Große)

Wer heute an Filme denkt, landet schnell bei Streaming und dem Screen in der Hosentasche. Genau darum ist es bemerkenswert, was sich in Taucha hinter der historischen Fassade der CT Lichtspiele abspielt. Die Betreiber Jacqueline und Daniel Grahl haben in den vergangenen Wochen und Monaten erneut kräftig modernisiert. In Technik, die man sieht und hört.

Beide Säle haben neue Leinwände bekommen. Nötig wurde das, weil seit kurzem Laser-Projektoren das Bild liefern, die eine spezielle Beschichtung auf der Leinwand benötigen „Die neuen Projektoren sorgen für gestochen scharfe Bilder und eine viel höhere Farbbrillianz“, sagt Daniel Grahl. Dazu kommt ein neues Soundsystem in beiden Sälen: Dolby Atmos. Dahinter steckt ein objektbasierter Tonansatz. Geräusche und Stimmen lassen sich über viele kleine Boxen gezielter im Raum platzieren, auch über dem Publikum. Das kann Filmszenen deutlich räumlicher wirken lassen, weil Klang nicht mehr nur “von vorn” kommt, sondern sich nachvollziehbar im Saal bewegt, sagt das Unternehmen Dolby selbst.

Hinter der historischen Fassade erwartet die Besucher hochmoderne Technik - und regelmäßige Sonder-Vorstellungen wie die „Ladies Night”: Ein Abend nur für Frauen. (Foto: Daniel Große)
Hinter der historischen Fassade erwartet die Besucher hochmoderne Technik - und regelmäßige Sonder-Vorstellungen wie die „Ladies Night”: Ein Abend nur für Frauen. (Foto: Daniel Große)
Hinter der historischen Fassade erwartet die Besucher hochmoderne Technik - und regelmäßige Sonder-Vorstellungen wie die „Ladies Night”: Ein Abend nur für Frauen. (Foto: Daniel Große)

Diese hochtechnische Ausstattung passt zum Grundansatz der Grahls, auch in einer Kleinstadt großes Kino bieten zu wollen. In diesem Jahr betreiben sie das Kino Taucha seit 30 Jahren. Übernommen haben sie es am 12. September 1996. Der Ruf war schwierig. „Vor der Übernahme war das Kino eher Kneipe als Lichtspielhaus“, sagt Jacqueline Grahl. „Es dauerte lange, bis sich das gewandelt hatte“, sagt auch ihr Ehemann. Die Anfangszeit beschreibt das Paar darum als zäh. Viele Abende seien sie im Foyer gewesen, oft ohne große Laufkundschaft. Später folgten Umbauten. Es wurde immer wieder investiert, in neue Stühle, in 3D-Technik, in ein neues Foyer.

Der größte Schritt kam 2022 mit dem Radikal-Umbau beider Säle. Wieder neue Bestuhlung, erstmals mit Fußhockern in den ersten Reihen, dazu insgesamt bessere Beinfreiheit. Neue Wandbespannungen, neue Lichtkonzepte, eine neue Decke in Kino 1 und komplett neue Sanitärbereiche. Die jüngste Modernisierung in Bild und Ton setzt diese Linie fort. Konkrete Summen nennen die Betreiber nicht – man kann sich aber vorstellen, dass die Investition nicht unerheblich sein dürfte.

Einziges Kino im Landkreis Nordsachsen

Warum machen sie das – hier im Speckgürtel der Großstadt? Weil sie überzeugt sind, dass Kino nur dann eine echte Alternative bleibt, wenn es sichtbar besser ist als “zu Hause”. Daniel Grahl bringt es mit einem Satz auf den Punkt. „Stillstand ist der Tod, sang schon Herbert Grönemeyer in seinem Song ‚Bleibt alles anders‘. Wir investieren ständig und das sieht das Publikum. Erstbesucher sind oft überrascht, hinter der historischen Fassade ein so modernes Kino vorzufinden“, sagt er.

Die Nähe zu Leipzig ist dabei ein ständiger Spagat. „Ein Fluch ist es, wenn aktuell so viele gute Filme laufen, dass wir sie mit unseren zwei Sälen gar nicht alle zum Start zeigen können. Dann ist es klar, dass Ungeduldige in die Kinos nach Leipzig fahren“, erklärt Grahl. Gleichzeitig sei es ein Segen, dass auch Leipziger nach Taucha kommen. Besucher aus Grünau oder Connewitz habe man bereits gehabt. „Wir sind sehr froh und durchaus demütig darüber“, sagen die Betreiber des letzten verbliebenen Kinos im Landkreis Nordsachsen.

Auch beim Preis setzen die Grahls bewusst einen Kontrast zu großen Häusern. Eintritt und Snacks seien in Taucha günstiger. Preissteigerungen hätten auch sie verkraften müssen. Nach Corona habe man Erhöhungen dennoch lange nicht eins zu eins weitergegeben. Die Auslastung gebe ihnen häufig Recht, sehr oft seien Vorstellungen ausverkauft.

Dass Daniel Grahl im Kino gelandet ist, ist bei ihm auch Familiengeschichte. Der Großvater war Theaterleiter. Der Vater war im Kino tätig und hatte über viele Jahre ein Kino am Kulkwitzer See. Grahl selbst lernte in DDR-Zeiten zunächst einen anderen Beruf. Später habe es ihn „zu den Wurzeln geholt“. Er suchte ein Kino zur Übernahme. Taucha bot sich an, der bisherige Betreiber wollte nicht mehr. Die ersten Jahre seien vor allem von Verzicht geprägt gewesen. „Freunde, Essen gehen, Urlaub – all das war nicht drin“, sagt er. Sieben Tage die Woche hätte er im Kino gestanden. Das Gehalt von Jacqueline sei damals komplett ins Kino geflossen. „Sie war mein Sponsor“, scherzt Grahl. Auch später wurde mit verdientem Geld immer wieder investiert.

Investieren oder an Bedeutung verlieren

Wer diese Entwicklung sieht, versteht auch die Wertigkeit des Hauses. Kleine Kinos in Deutschland halten die Fläche am Leben, oft mit ein oder zwei Sälen. Gleichzeitig stehen sie unter Druck, weil sich das Freizeitverhalten verändert hat und Technik teuer ist. Darum habe es auch immer nur zwei Wege gegeben: investieren oder langsam an Bedeutung verlieren. Die CT Lichtspiele wählen seit 30 Jahren den ersten Weg. Und selbst jetzt, wo vieles “fertig” wirken könnte, reibt sich Daniel Grahl schon wieder die Hände. Gut ausgerüstet seien sie ja. „Aber wir wären nicht wir, wenn nicht schon weitere Pläne hätten“, lächelt er.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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