Bürgerentscheid zum Industriegebiet Merkwitz: Abstimmung am 7. Juni, Infoabend am 7. Mai | Taucha kompakt

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Bürgerentscheid zum Industriegebiet Merkwitz: Abstimmung am 7. Juni, Infoabend am 7. Mai

Merkwitzer Bürger wenden sich gegen die Vergrößerung des Industrieparks Nord. (Foto: Daniel Große)
Merkwitzer Bürger wenden sich gegen die Vergrößerung des Industrieparks Nord. (Foto: Daniel Große)
Merkwitzer Bürger wenden sich gegen die Vergrößerung des Industrieparks Nord. (Foto: Daniel Große)

In Taucha kommt es zum Bürgerentscheid über das geplante Gewerbe- und Industriegebiet (GI/GE) im Bereich Merkwitz. Der Stadtrat hat in seiner März-Sitzung einstimmig das Bürgerbegehren gegen die Aufstellung des Bebauungsplans Nr. 70 „GE/GI Merkwitz“ für zulässig erklärt. Als Frage, die es am Wahltag zu beantworten gilt, wurde diese Formulierung gewählt: „Die Fortführung des Bebauungsplanverfahrens Nr. 70 ‘GE/GI Merkwitz’ zur Errichtung eines Industrie- und Gewerbegebietes in Merkwitz soll eingestellt werden.“ Wer gegen das Gewerbegebiet ist, muss also mit „Ja” stimmen, wer dafür ist, mit „Nein”.

Bürgerbegehren findet am 7. Juni statt

Ebenfalls einstimmig legte der Stadtrat den Termin für die Abstimmung fest. Der Bürgerentscheid findet am Sonntag, 7. Juni 2026, statt. Es wird der erste Bürgerentscheid in der Geschichte der Stadt sein.

Infoveranstaltung am 7. Mai

Vor der Abstimmung lädt die Stadt zu einer Bürgerinformationsveranstaltung ein. Sie ist für Donnerstag, 7. Mai 2026, von 17 bis 19 Uhr in der Kulturscheune am Haugwitzwinkel 1 angekündigt. Dort soll der aktuelle Stand der Planungen nach der öffentlichen Auslegung vorgestellt werden. Ziel ist laut Stadt, vor dem Bürgerentscheid transparent und umfassend zu informieren.

Beide Seiten, Stadtverwaltung und Bürgerinitiative, geben sich bereits seit Wochen alle Mühe, umfassend zum Vorhaben zu informieren und ihre Standpunkte deutlich zu machen. So hat die Verwaltung ein umfangreiches FAQ auf ihrer Website veröffentlicht. Darin macht sie unter anderem Aussagen zu Fläche, Lärmschutz, Verkehr, Regenwasser und möglichen Branchen. Genannt wird eine Gesamtfläche von rund 86 Hektar. Davon seien derzeit etwa 46 Hektar für Industrie- und Gewerbeansiedlungen vorgesehen. Der Rest solle für Begrünung, Naherholung und ökologische Ausgleichsmaßnahmen dienen.

Beim Thema Verkehr betont die Stadt im FAQ, das Gebiet solle direkt über die BMW-Allee und die Autobahn A14 angebunden werden. Eine reguläre Zufahrt durch Merkwitz sei nicht vorgesehen. Eine Notfallzufahrt zur Seegeritzer Straße bleibe für den Havariefall bestehen. Zudem werden eine ÖPNV-Anbindung und Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung als Vorschläge aus einem Verkehrsgutachten genannt, die geprüft werden sollen.

Diese Darstellung trifft auf Widerspruch der Bürgerinitiative. Sie verbreitete in den vergangenen Tagen und Wochen auf ihrem WhatsApp-Kanal unter dem Titel „Mythos vs. Fakten“ eigene Grafiken, die gängige Argumente pro Industriegebiet in Frage stellen. Beim Verkehr hebt die BI hervor, Industriegebiete erzeugten zusätzlichen Verkehr. Genannt werden Pendlerfahrten und Lieferverkehr, teils auch außerhalb klassischer Arbeitszeiten. Der Kern der Botschaft lautet: Auch bei guter Anbindung entstehe spürbare Mehrbelastung durch zusätzliche Fahrten.

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Die BI Merkwitz hat ihrerseits nun nicht mehr viel Zeit, um möglichst viele Einwohner von ihren Argumenten gegen das Industrie- und Gewerbegebiet zu überzeugen. Bis zum 7. Juni müssen genug Menschen erreicht werden, damit die Abstimmung nicht nur stattfindet, sondern auch das gesetzliche Quorum erreicht wird. Der Ausgang gilt in der Stadtpolitik derzeit als offen. Plakate und Flyer wurden entwickelt und verteilt, auch ein Film sei laut Peter Wagner von der BI in Arbeit. Zusätzlich wird digital über den erwähnten WhatsApp-Kanal informiert. In ihren Motiven stellt die BI etwa die Erwartung infrage, dass das Gebiet kurzfristig viele Arbeitsplätze bringe. Sie argumentiert, konkrete Zahlen ließen sich derzeit nicht sicher vorhersagen. Industriegebiete entwickelten sich schrittweise über viele Jahre. Zudem verweist die BI auf die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen und stellt Bodenschutz, Wasserhaushalt und Klima in den Mittelpunkt. Versiegelung sei dauerhaft und ein hochwertiger Boden nicht einfach ersetzbar, heißt es sinngemäß. Weitere Punkte sind die Bandbreite möglicher Nutzungen in GI/GE-Gebieten sowie die Frage, welche Branchen ausgeschlossen werden oder nicht.

In einem Motiv zieht die Bürgerinitiative außerdem den Fairtrade-Titel der Stadt heran. Sachlich ist der Fairtrade-Status ein eigenständiges Thema zum Welthandel und fairen Löhnen in Erzeugerländern. Die BI nutzt den Titel aber erkennbar, um einen aus ihrer Sicht vorhandenen Widerspruch zwischen Nachhaltigkeitsanspruch und Flächenversiegelung zu verdeutlichen.

Termine und Links

Bürgerinformationsveranstaltung der Stadt
Donnerstag, 07.05.2026, 17:00–19:00 Uhr
Kulturscheune, Haugwitzwinkel 1, 04425 Taucha
Anmeldung: https://mitdenken.sachsen.de/1062808

Bürgerentscheid zum Bürgerbegehren „GE/GI Merkwitz“
Sonntag, 07.06.2026
Abstimmung in den Wahllokalen, Briefwahl möglich (Infos der Stadt folgen)


Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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