Beständigkeit seit 82 Jahren: Ingeborg Birkner ist der Bruno-Schönlank-Straße treu geblieben | Taucha kompakt

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Veröffentlicht am 25.08.2026 17:10

Beständigkeit seit 82 Jahren: Ingeborg Birkner ist der Bruno-Schönlank-Straße treu geblieben

Ingeborg Birkner wohnt bereits seit 82 Jahren in der Bruno-Schönlank-Straße. (Foto: Daniel Große)
Ingeborg Birkner wohnt bereits seit 82 Jahren in der Bruno-Schönlank-Straße. (Foto: Daniel Große)
Ingeborg Birkner wohnt bereits seit 82 Jahren in der Bruno-Schönlank-Straße. (Foto: Daniel Große)

Stolze 82 Jahre alt zu werden, ohne jemals den Wohnort zu wechseln – das können wohl nur wenige Menschen von sich behaupten. Ingeborg Birkner aus Taucha gehört dazu. Seit ihrer Geburt im Jahr 1944 ist die Bruno-Schönlank-Straße in der „Zwickschen Siedlung” ihr Zuhause. Vier verschiedene Wohnungen hat sie dort inzwischen bewohnt. Wegziehen möchte sie bis heute nicht. Vergangene Woche wurde sie von einer Mitarbeiterin ihres Vermieters, der städtischen Gesellschaft IBV (WOTa), zu dieser Beständigkeit beglückwünscht und mit einem Blumenstrauß geehrt.

Geboren wurde Ingeborg Birkner 1944 in der Bruno-Schönlank-Straße 16. Auch ihre beiden Söhne kamen später dort zur Welt. Die Straße ist damit nicht nur ihr Wohnort, sondern über Jahrzehnte hinweg auch ein Stück Familiengeschichte.

Eine Hausgemeinschaft, die zusammenhielt

An ihre früheren Jahre in der Straße erinnert sich „Inge“, wie sie sich selbst nennt, vor allem wegen der Gemeinschaft gern zurück. Das Zusammenleben unter den Mietern sei sehr gut gewesen. Es wurde gemeinsam gegrillt, am Nachmittag traf man sich zu Kaffee und Kuchen, der häufig selbst gebacken wurde. Das nachbarschaftliche Miteinander spielte damals eine deutlich größere Rolle im Alltag als heute. Viele Bewohner kannten sich gut, verbrachten Zeit miteinander und halfen sich gegenseitig.

Beengte Verhältnisse und kleines Waschbecken

Die Wohnungen hatten allerdings längst nicht den Komfort, der heute selbstverständlich erscheint, erinnert sie sich.

In ihrer früheren Wohnung gab es zunächst kein Badezimmer. Beheizt wurde sie mit einem Berliner Ofen. Die Toilette befand sich zwar innerhalb der Wohnung, war jedoch äußerst beengt. „Wer darauf saß, hatte praktisch die Knie an der Tür. Daneben befand sich lediglich ein kleines Waschbecken. Es war zugleich die einzige Möglichkeit in der Wohnung, sich zu waschen”, berichtet Ingeborg Birkner.

Später brachte deshalb bereits der Umzug innerhalb derselben Straße einen erheblichen Fortschritt: Denn eine Zeit lang wohnte Birkner auch in der Hausnummer 2. Die Familie über ihr hatte einen Ausreiseantrag gestellt, der nach sieben Jahren schließlich genehmigt wurde. In deren Wohnung waren zuvor auf eigene Kosten bereits eine Heizung und ein Badezimmer eingebaut worden. Also fragte die pfiffige Inge beim damaligen Wohnungsamt nach, ob sie diese Wohnung übernehmen könne. Die Zusage kam. „Für mich und meine beiden Söhne bedeuteten Bad und Heizung einen Komfort, den wir zuvor nicht kannten”, sagt sie weiter.

Sanierung brachte Bad und Heizung

1998 folgte ein weiterer Umzug – diesmal in die Bruno-Schönlank-Straße 12. Zu dieser Zeit wurden die Wohnungen saniert. Die alten Öfen verschwanden, Heizungen wurden eingebaut und die Wohnungen erhielten Badezimmer. Damit veränderte sich auch das Wohnen in den Häusern grundlegend. Aus Wohnungen mit einfachster Ausstattung wurden nach und nach zeitgemäßere Zuhause.

Für Ingeborg Birkner war es dennoch nie die Ausstattung allein, die sie an der Bruno-Schönlank-Straße hielt. Über Jahrzehnte blieb ihr gesamtes Wohnleben mit diesem Teil Tauchas verbunden. Der grüne Innenhof, das ruhige Wohnumfeld und die Nähe zu allem, was man braucht, haben sie nie daran denken lassen, woanders zu wohnen.

Von der Mechanikerin bis zur Galvanotechnik

Auch ihr Berufsleben begann in der Region. „Ich habe Mechanikerin gelernt. Als damals die Zusage für die Lehrstelle bekam, war ich sehr glücklich gewesen, denn nicht jeder konnte seinen Wunschberuf erlernen”, schildert sie. Ihre Ausbildung absolvierte sie im VEB Funkwerk in Leipzig-Stötteritz. Später arbeitete sie bei der Galvanotechnik auf der Torgauer Straße in Leipzig.

Während sich im Berufsleben vieles änderte und auch die Wohnungen wechselten, blieb eines konstant: die Adresse Bruno-Schönlank-Straße. Heute lebt Ingeborg Birkner dort in ihrer inzwischen vierten Wohnung. Sie sei mit ihr zufrieden, die Größe reiche ihr vollkommen aus und alles sei in Ordnung.

Noch einmal umziehen? Für die 82-Jährige kommt das nicht infrage. Nach einem ganzen Leben in derselben Straße ist die Bruno-Schönlank-Straße für sie weiterhin die erste Adresse – und ihr geliebtes Zuhause.



Daniel Große
Daniel Große
Daniel Große arbeitet seit 2001 als freier Journalist und berichtet hier zu allen Themen, die unsere Region bewegen. Infrastruktur, Blaulicht-Meldungen, Veranstaltungen, Neues aus den Rathäusern und vieles mehr veröffentlicht er hier. Schnell, kompakt und verständlich.

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